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Stand: 04.02.2021



 
BNetzA startet Vergabe der Frequenzen im 26-GHz-Bereich

Spricht man über 5G, denkt man in der Regel an Funk­fre­quenzen bei 3,5 GHz, wo Down­load-Raten von 1 GBit/s oder etwas mehr möglich sind. Da die Reich­weite dieser Frequenzen begrenzt ist, findet 5G längst auf nied­rigeren Frequenzen zwischen 700 und 2100 MHz statt. Nur dort unten sind die erziel­baren Daten­raten ähnlich den von LTE bereits bekannten Werten. Für die 5G-Versor­gung sind noch höhere Frequenzen vorge­sehen, etwa bei 26 GHz oder bis zu 60 GHz. Der kommende Stan­dard 6G könnte dann eines Tages bei 300 GHz ange­sie­delt werden. Nun gilt ein physi­kali­sches Gesetz: Je höher die Frequenz, desto höher die mögliche Band­breite, aber um so gerin­gere Reich­weite.

Sind höhere Frequenzen "unge­sund"?

Diese hohen Frequenzen wurden bislang für Richt­funk­ver­bin­dungen von Turm zu Turm genutzt, um die hohen Leitungs­kosten (die man erst aufwendig vergraben oder teuer von der Konkur­renz mieten müsste) zu sparen. Als direkte Versor­gung der Endan­wender sind diese hohen Frequenzen noch ein wenig Neuland. Bei den 5G-Beden­ken­trä­gern und Mobil­funk-Kriti­kern steigt mit der Höhe der Frequenz auch die "Angst", wie "gesund" diese "Strah­lung" sein könnte, wenn das Handy am Kopf auf 26 GHz sendet.

Die USA funken auf 28 und 39 GHz

In den USA sind 5G-Frequenzen bei 28 GHz und 39 GHz längst an die Mobil­funker vergeben und werden schon genutzt. In einigen Städten hängt dafür an jeder Stra­ßen­laterne ein Käst­chen mit Sender und Antenne.
Mit der US-Version des iPhone 12 sind diese hohen Frequenzen nutzbar. Daten­raten von 4-5 GBit/s im Down­stream werden durchaus erzielt, sofern zwischen Handy und Sender-Antenne möglichst wenig (am besten gar nichts) im Weg steht.

Keine Verstei­gerung von 26 GHz, seit 1. Januar 2021 bean­tragbar

Nun hätte man denken können, dass die für Europa ange­dachten 26 GHz in einer publi­kums­wirk­samen Auktion unter die Netz­betreiber gebracht würden. Das ist aber offenbar nicht der Fall.

Die Bundesnetzagentur hat dafür eine Webseite erstellt.

Seit dem 1. Januar 2021 ist das Antrags­ver­fahren für den Frequenz­bereich 24, 25 bis 27,5 GHz gestartet. Alle Antrags­steller, die sich bis zum 31. März 2021 ange­meldet haben, werden als "Tag-Eins-Anmelder" gewertet. Die Zutei­lungen im 26-GHz-Band erfolgen Tech­nologie- und Dienste-neutral.

Der neue Frequenz­bereich ist in Deutsch­land für "lokale, breit­ban­dige Frequenz­nut­zungen" vorge­sehen und kann im Rahmen des "draht­losen Netz­zugangs zum Angebot von Tele­kom­muni­kati­ons­diensten" genutzt werden. Das können Tele­kom­muni­kati­ons­dienste für den Endkunden und Anwen­dungen, wie z.B. Infra­struk­tur­anbin­dungen, Indus­trie 4.0 oder das Internet der Dinge („Internet of Things“ (IoT)) sein.

Allge­mein­zutei­lungen seien auf Grund der Funk­ver­träg­lich­keits­situa­tion nicht möglich. Weil verschie­dene Funk­dienste dort schon tätig sind, müssen Nutzungen und Frequenzen "koor­diniert" werden. Wer dort mitfunken will, braucht eine Geneh­migung. Es muss auf Satel­liten-Funk, die Bundes­wehr und vieles mehr Rück­sicht genommen werden.

Die Bundes­netz­agentur geht davon aus, dass dort genü­gend Frequenzen bereit­stehen, zumal in Kürze auch noch der Frequenz­bereich bei 42 GHz (40,5 - 43,3 GHz) zur Verfü­gung stehen wird. Somit sind Band­breiten bis zu 800 MHz pro Anbieter möglich. Sollten eines Tages noch mehr Band­breiten benö­tigt werden, müsste der Antrags­steller das genauer begründen, unmög­lich wäre es nicht. Da solche Frequenzen nicht immer "am Stück" möglich sind, werden die Einzel­träger "zusam­men­geklebt" (Carrier Aggre­gation).

Use it or loose it

Die Frequenz­zutei­lungen müssen binnen zwölf Monaten nach Antrags­stel­lung auch wirk­lich genutzt werden, sonst sind sie futsch. Geht eine Funk-Anwen­dung über ein Grund­stück hinaus, muss der Lizenz­inhaber die Netz­agentur über seinen aktu­ellen Ausbau­stand infor­mieren. Räum­lich benach­barte Netz­betreiber müssen sich mit ihren eben­falls funkenden Nach­barn abstimmen.

26 GHz in Hamburg getestet

Der Netz­betreiber o2 hatte in Hamburg einen Versuch vorge­stellt, wo auf 26 GHz die Inter­net­anbin­dung von einem nahe­gele­genen Hoch­haus in ein Gebäude herge­stellt wurde. Der Vorteil: Keine Grabungs­arbeiten oder Miete von teuren Fremd­lei­tungen ins Haus, kein Stress mit Haus­ver­wal­tungs­gesell­schaften über den Zugang zu Leitungen im Haus. Jeder Kunde stellt sich einen Zugangs­router ins Fenster oder auf dem Balkon oder schraubt eine Außen­antenne an die Haus­wand (wenn der Vermieter mitspielt).

Nach­teil dieses Zugangs ist die verwen­dete Funk­ver­bin­dung bei 26 GHz. Die kann nicht immer so gut funk­tio­nieren, wie sich Netz­betreiber oder Kunde das vorstellen. Je nach bauli­cher Situa­tion kann es leicht passieren, dass die Funk­ver­bin­dung gar nicht oder nur zeit­weise zustande kommt oder schnell abreist, wenn Bäume oder Sträu­cher wachsen oder oder größere Last­wagen vor der Tür halten oder ein Baukran in die Sicht­ver­bin­dung gestellt wird.

Das bedeutet, dass ein Anbieter seinen Kunden sehr flexibel entge­gen­kommen muss. Beispiels­weise mit kurz­fris­tigen Kündi­gungs­mög­lich­keiten, bereits kurz nach Vertrags­start oder nach dem Auftreten von Problemen. Das wird Vertrags­lauf­zeiten von maximal einem Monat bedingen, was den Kosten­rech­nern bei Anbie­tern und im Handel sicher­lich schlaf­lose Nächte bereiten dürfte.

Angst vor hohen Frequenzen?

Wer hinsicht­lich der Strah­lung auf diesen höheren Frequenzen Bedenken hat: Es gibt Grenz­werte, die auch für diese Sende­anlagen einge­halten werden müssen. Die Sende-/Empfangs­antenne des Netz­betrei­bers steht z.B. auf einem Hoch­haus, wo Zivi­listen im Alltag gar nicht in die Nähe kommen, der vorge­schrie­bene Schutz­abstand bleibt also gewahrt.

Von der heimi­schen Sende-/Empfangs­antenne schadet es nicht, etwas Abstand zu halten, weil sonst die Funk­ver­bin­dung weg ist. Damit ist der Schutz­abstand längst einge­halten. Wenn die Empfangs­antenne außen am Fenster, auf dem Balkon oder auf dem Dach ist, sind die Schutz­abstände auch längst gewahrt, da die Antenne ja auf die Gegen­stelle des Netz­betrei­bers ausge­richtet wird.

Zugang per Funk oder lieber per Leitung?

Wer für daheim privat oder das Home­office oder die Firma einen stabilen Netz­zugang sucht, wird weiterhin auf Anbieter von terres­tri­schen Leitungen ins Haus setzen. Sei es über Kupfer­kabel mit VDSL (bis 250 MBit/s je nach Anbieter) oder auf Koax­kabel (mit bis zu 1 GBit/s, wenn der Anbieter sein Koax-TV-Kabel-Netz im Griff hat) oder per Glas­faser (aktuell bis zu 1 GBit/s und später auch mehr).

Eine Funk­lösung könnte bei tempo­rären Anschlüssen (im Urlaub oder bei Arbei­tern auf Montage) von Inter­esse sein.
 

Antrag­stel­lung per E-Mail

Wer als Anbieter sein eigenes Netz betreiben und Frequenzen bean­tragen möchte, muss dies im Moment noch per E-Mail tun, das Online-Portal ist noch nicht fertig. Später können dort auch Lizenz­inhaber nach­geschaut werden, sofern sie nicht dagegen Einspruch einge­legt haben.

Zitate und Quellenverweis: https://www.teltarif.de/


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Detlef Wipperfürth
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